Was ist Fairer Handel?

Grundgedanke

Die Welt ist nicht gerecht. Nur ein kleiner Teil der Menschheit profitiert vom aktuellen Welthandelssystem. Trotz tagtäglicher harter Arbeit kämpfen vor allem unzählige Menschen in den Ländern des Globalen Südens um ihr Überleben.

Der Faire Handel verbessert die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Produzent*innen am Anfang der Lieferketten und schafft für derzeit rund 2,5 Mill. Menschen in mehr als 70 Ländern Zukunftsperspektiven.

Geschichte

Seit fast 50 Jahren stellt der Faire Handel eine eigene Vision der Globalisierung entgegen.

Der Gedanke des Fairen Handels ist zu Beginn der 1970er Jahre entstanden. Konfessionelle Jugendverbände machten zu Anfang auf die ungerechten Welthandelsstrukturen durch Hungermärsche und Demonstrationen aufmerksam, an denen allein in Deutschland 30.000 Menschen teilnahmen. Es ging nicht nur darum, konkrete Verbesserungen für die Produzierenden zu erreichen, sondern um die gesellschaftliche Bewusstseinsbildung für eine „bessere Welt“.

Unter dem Motto: „Lernen durch Handeln“ wurde eine neue internationale Bewegung für Fairen Handel ins Leben gerufen, aus der die ersten Weltläden hervorgingen.

Vernetzung

Heute ist der Faire Handel mit ca. 100.000 Engagierten und rund 900 Weltläden allein in Deutschland eine starke zivilgesellschaftliche Bewegung, die international vernetzt ist.

Ein wichtiges Ergebnis der globalen Zusammenarbeit ist die Verständigung auf eine gemeinsame Definition des Fairen Handels aus dem Jahr 2001:

„Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.

Durch bessere Handelsbedingungen und Sicherung sozialer Rechte für die benachteiligten Produzent/innen und Arbeiter/innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit Verbraucher/innen) für die Unterstützung der Produzent/innen, die Bewusstseinsbildung, sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels. (“https://www.weltladen.de/ueber-weltlaeden/fairer-handel/)

Die World Fair Trade Organization (WFTO) als Zusammenschluss von Organisationen des Fairen Handels aus über 70 Ländern hat 10 Kriterien formuliert, die zertifizierte Fair-Handels-Organisationen erfüllen müssen:

Die 10 Grundsätze des fairen Handels laut WFTO:

1.) Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzent*innen schaffen

Fairer Handel schafft durch nachhaltige Entwicklung neue Arbeitsmärkte für benachteiligte Produzent*innen und sichert somit ihre Existenz durch Einkommen und Selbständigkeit.

2.) Transparenz und Rechenschaftspflicht

Offene und transparente Kommunikationswege auf der Basis von Fairness und Respekt unter Einbeziehung aller Akteur*innen (Demokratische Strukturen).

3.) Faire Handelspraktiken

Im Vordergrund steht die Verbesserung des sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Wohlergehens der Produzent*innen in ihren Organisationen. Ziel soll sein, langfristige Handelsbeziehungen, die auf Vertrauen und Solidarität aufgebaut sind, zu führen. Eine Profitmaximierung einzelner Teilnehmer*innen der Handelskette auf Kosten der Produzierenden findet im Fairen Handel nicht statt.

4.) Faire Bezahlung

Im Fairen Handel werden die Preise im gleichberechtigten Dialog unter Handelspartner*innen festgelegt mit dem Prinzip, dass die Einnahmen einen würdigen Lebensstandard ermöglichen müssen, auch wenn der Weltmarktpreis schwankt. Hinzu kommt die Auszahlung einer Fair-Trade-Prämie, die von den Produzentinnen und Produzenten in einem demokratischen Entscheidungsverfahren in nötige Projekte vor Ort investiert wird. Im Rahmen um der Gleichstellungsrechte werden Frauen  ebenso wie Männer gleichermaßen für ihre Arbeit entlohnt.

5.) Keine ausbeuterische Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit

Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes müssen eingehalten werden. Jegliche Form von ausbeuterischer Kinderarbeit oder Zwangsarbeit wird im Fairen Handel abgelehnt.

6.) Versammlungsfreiheit, keine Diskriminierung (Geschlechtergerechtigkeit)

Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder Krankheit benachteiligt werden. Vor allem Frauenrechte in den Herkunftsländern müssen geschützt werden. Das Recht auf Organisation in Gewerkschaften muss respektiert werden und die Möglichkeit zur politischen Gestaltung gegeben sein.

7.) Gute Arbeitsbedingungen

Der Faire Handel steht für sichere und nicht gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen. Die Fair-Handels-Organisationen verpflichten sich, die Vorgaben der ILO Konventionen (Internationale Labour Organisation) über Gesundheit und Sicherheit zu überprüfen und gemeinsam mit den Produzierenden zu verbessern.

8.) Aus- und Weiterbildung

Durch den Fairen Handel sollen sich die Entwicklungsmöglichkeiten der Bevölkerung vor Ort verbessern. Durch die Förderung von Fähigkeiten und Kompetenzen soll eine nachhaltige Stärkung erfolgen, die den Ausbau der Produktionskapazitäten und den Zugang zu internationalen Märkten ermöglicht.

9.) Förderung des Fairen Handels

Die Teilnehmer*innen am Fairen Handel setzen sich mit Öffentlichkeitsarbeit für einen gerechteren Welthandel ein und klären über die Ziele und Bedingungen des Fairen Handels auf.

10.) Schutz der Umwelt

Elementar für eine ökologisch nachhaltige Entwicklung der Kooperativen sind umweltfreundliche Anbaumethoden. Bei der Herstellung fairer Produkte, spielt daher der Umweltschutz eine zentrale Rolle.

Nähere Informationen zu den WFTO-Standards (auf Deutsch) bietet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: http://www.bmz.de/de/themen/fairer_handel/standards/WFTO/

Weltläden, die sich im Weltladen-Dachverband zusammen geschlossen haben, verpflichten sich freiwillig zur Einhaltung der Konvention der Weltläden, die die Kriterien der WFTO einschließt, und sich auf folgende Bereiche bezieht:

  • Handelspraktiken
  • Arbeitsbedingungen
  • Transparenz-Bildung und Information
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Umweltschutz
  • Ergänzungsprodukte (z.B. regionale Produkte)

Nähere Informationen zur Konvention der Weltläden finden sich auch auf der Website des Weltladen-Dachverbands:

https://www.weltladen.de/site/assets/files/2990/5_konvention_der_weltlaeden_2019.pdf