Schneiderinnen in der Werkstatt von „Thousand Dreams“ in Delhi, Indien (Foto: Florian Lang)

AZADI, Indien / Deutschland

Die Modelinie azadi zeigt, wie Mode befreien kann. Die erste Kollektion wurde von jungen Frauen produziert, die nach Gewalterfahrung in der Zwangsprostitution eine Ausbildung zur Schneiderin machten. „Azadi“ ist Hindi und bedeutet „Freiheit“.

„Wir stehen für mehr als nur eine weitere öko-faire Modemarke. Als Multi-Stakeholder-Initiative verbinden wir junge Menschen aus verschiedenen Kulturen und unterstützen Graswurzelinitiativen in Ländern des Globalen Südens.“

(azadi)

Mode für Freiheit

Azadi baut Brücken zwischen Menschen, Ländern und Kulturen. Die Multi-Stakeholder-Initiative wurde 2015 von dem Gemeinwohlunternehmen für Faire Mode FARCAP aus Fürth gegründet. Die indische Frauenrechtsorganisation STOP („Stop Trafficking and Oppression of Children and Women“) war die erste Projektpartnerin, mit der ein Jahr später die erste Kollektion in Delhi entstand. Mittlerweile setzen die jungen Frauen das Design von Modestudent*innen aus Nürnberg und Tirupur um. Die Modeschulen aus Süddeutschland und Südindien stehen dazu in engem Austausch und besuchen sich gegenseitig. Gemeinsames Ziel sind faire und ökologische Produktionswege in der gesamten Lieferkette.

Schneiderinnen in der Werkstatt von „Thousand Dreams“ in Delhi (Foto: Florian Lang)

Gelebte Träume

Azadi steht für Ökologie, Nachhaltigkeit und Qualität. Die Kleidung besteht aus Jersey- oder Khadi-Stoffen. Der weiche und elastische Jerseystoff stammt aus dem GOTS-zertifizierten Unternehmen Gokul Knittfabs Tirupur, Südindien – einem Familienbetrieb mit etwa 400 Mitarbeiter*innen. Die Khadi-Stoffe werden von der Aavran Handloom Society in Kasravad, Mittelindien, hergestellt. Khadi ist Indiens traditioneller handgesponnener und handgewebter Baumwollstoff. Er überzeugt durch seine Vielseitigkeit: im Sommer kühlend und im Winter wärmend.

Der gewebte Bio-Baumwollstoff wird von dem Sozialunternehmen „Thousand Dreams“ in Delhi, Nordindien, weiterverarbeitet, das von der Frauenrechtsorganisation STOP gegründet wurde. Die Frauen haben Gewalt oder Zwangsprostitution erlebt oder haben aufgrund mangelnder Bildungschancen auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance. Bei „Thousand Dreams“ machen sie eine Ausbildung zur Schneiderin. Das Handwerk und die Anstellung geben den Frauen die Perspektive, ihre 1000 Träume zu leben.

Für die jährlich wechselnden Kollektionen sind die kreativen Studierenden der B5 Modeschulen Nürnberg und des NIFT-TEA College of Knitwear Fashion in Tirupur, Südindien, verantwortlich. Die Studierenden begleiten die jeweiligen Kollektionen von der ersten Idee über die Umsetzung in Schnitt und Prototyp bis zum Vertrieb und Verkauf.  Azadi verbindet so junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und sensibilisiert für faire Handelswege in der Textilbranche.

„Der Bildungsaspekt von azadi ist uns wichtig“, so die Multi-Stakeholder-Initiative, „die jetzigen Studierenden sind es, die in Zukunft entscheiden werden, WIE die Kleidung, die wir tragen, hergestellt wird.“

Entdecken Sie die Mode der gelebten Träume von azadi bei uns im Weltladen! 

Fotos: FARCAP

Autorin: Magdalena Gassner

Quellen: azadi, FARCAP