Am 11. Februar kam die letzte Orangenlieferung in diesem Winter

Mit der Orangen-Aktion „Süß statt bitter“ möchten wir auf unmenschliche Zustände und moderne Sklaverei bei der Obsternte in Süditalien aufmerksam machen. Im Winter 2025/2026 haben wir die ökologisch produzierten Orangen der genossenschaftsähnlichen Initiative „SOS Rosarno“ aus Kalabrien im Weltladen verkauft.

Rosarno, die Kleinstadt in Kalabrien, in der Nähe der Stiefelspitze Italiens, ist ein Paradies auf Erden. Doch nicht für die Bauern und Erntehelfer, die diese und andere Früchte anbauen. Von November bis April helfen ca. 2.500 Wanderarbeiter, meist afrikanische Geflüchtete, bei der Orangenernte. Sie arbeiten als Tagelöhner auf den umliegenden Plantagen für etwa 35 Euro am Tag. Kein Lohn, von dem man anständig leben, geschweige denn eine Miete bezahlen könnte. Die Erntehelfer hausen bei Kälte in Zelten und unter erbärmlichen Bedingungen.

Die Abnehmer der Früchte sind multinationale Konzerne und Handelsketten. Sie diktieren den Bauern die Preise, die nicht einmal die Produktionskosten decken. Deshalb haben die Bauern nur zwei Möglichkeiten: entweder die Früchte auf den Plantagen verfaulen zu lassen oder die Tagelöhner auszubeuten.

„SOS Rosarno“ wurde von einer Gruppe von Aktivisten, Landwirten und Tagelöhnern gegründet. Der Verein sucht den direkten Kontakt zwischen Obstbauern, Arbeitern und Einkaufsgemeinschaften und beschäftigt die Migranten mit regulären Arbeitsverträgen nach Tariflöhnen mit Sozialbeiträgen.

Mit der Aktion „Lichter für Rosarno“ wurde speziell für Tagelöhner im Obst- und Gemüseanbau ein Projekt gestartet um Geflüchteten vor Ort im Alltag zu helfen. Die Migranten werden auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz, den Plantagen, häufig Opfer von Verkehrsunfällen weil ihre Fahrräder unbeleuchtet sind. In dem Projekt werden ihre Fahrräder mit Lampen ausgestattet und in ihren Zeltsiedlungen Solarlampen installiert. Ein Teil des Erlöses aus dem Orangenverkauf wird für dieses Projekt verwendet.