Staat in Mittelamerika. Hauptstadt San Salvador, Amtssprache Spanisch, 6,5 Millionen Einwohner
Aus der Geschichte von El Salvador
El Salvador ist das kleinste Land Zentralamerikas, seine Geschichte ist reich an kulturellen, politischen und sozialen Umbrüchen. Bereits lange vor der Ankunft der Europäer war das Gebiet von verschiedenen indigenen Völkern besiedelt, darunter die Pipil. Die indigene Kultur prägte das Land nachhaltig, auch wenn viele Traditionen durch die Kolonialzeit verdrängt wurden.
1524 Eroberung durch Pedro de Alvarado im Auftrag der spanischen Krone. Die indigene Bevölkerung leistete zunächst Widerstand, wurde jedoch durch militärische Gewalt, Krankheiten und Zwangsarbeit stark dezimiert. Während der Kolonialzeit entwickelte sich die Landwirtschaft weiter, insbesondere durch den Anbau von Indigo, das als wichtiges Exportprodukt diente.
1821 erklärte Zentralamerika seine Unabhängigkeit von Spanien. Nach einer kurzen Phase der Zugehörigkeit zum mexikanischen Kaiserreich wurde El Salvador Teil der Föderation der Zentralamerikanischen Staaten.
1838 Zerfall der Föderation aufgrund politischer Spannungen und El Salvador wurde eine eigenständige Republik
Die folgenden Jahrzehnte waren von politischer Instabilität, Machtkämpfen und wirtschaftlichen Veränderungen geprägt. Besonders im 19. Jahrhundert gewann der Kaffeeanbau zunehmend an Bedeutung und wurde zum wichtigsten Exportgut.
1892 Per Gesetz wurde das Land der indigenen Bevölkerung durch die herrschende Regierung enteignet. 90% des Landes waren damit in Besitz von 0,01 % der Bevölkerung. Die landlosen Bauern arbeiteten als Tagelöhner in den Plantagen. Diese soziale Ungleichheit sollte die Geschichte des Landes langfristig prägen.
1930 Militärputsch und Machtergreifung von General Maximiliano Hernández Martínez
1932 Niederschlagung eines Aufstandes von überwiegend Pipil-Bauern mit 30.000 ermordeten Bauern, ihren Familien und ihrem Anführer Farabundo Martí. Dieses Massaker hinterließ tiefe Spuren in der Gesellschaft und führte dazu, dass viele indigene Traditionen aus Angst vor Verfolgung aufgegeben wurden.
1977 Landlose LandarbeiterInnen besetzten brachliegendes Land. Auf gewaltfreie Proteste reagierte die Regierung mit aller Härte und mit Massakern an der Zivilbevölkerung.
1979 Widerstand nahm zu- es schließen sich immer mehr christliche Basisgemeinden, GewerkschafterInnen , LandarbeiterInnen dem Widerstand an.
1980 Soziale Ungleichheit, politische Unterdrückung und wirtschaftliche Probleme führten schließlich zum Ausbruch eines Bürgerkriegs zwischen der Regierung und linken Guerillagruppen. Der Konflikt dauerte zwölf Jahre und kostete etwa 75.000 Menschen das Leben. Er war gekennzeichnet durch schwere Menschenrechtsverletzungen. Im Bericht der von der UN eingerichteten Wahrheitskommission wurden 85 % der Menschenrechts- Kriegsverbrechen der Regierungsarmee-und den Todesschwadronen zugerechnet, 5 % der Guerilla und 10 % konnten nicht eindeutig geklärt. T
24. März 1980 Ermordung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero durch Todesschwadronen. Dem Mord folgte ein zwölfjähriger Bürgerkrieg mit rund 75.000 Todesopfern. Immer mehr Menschen schlossen sich dem bewaffneten Kampf der Befreiungsorganisation FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) an. In den folgenden Jahren zwang der von den USA unterstützte Krieg der salvadorianischen Regierung gegen die eigene Bevölkerung fast 1,5 Millionen Menschen zur Flucht. Tausende wurden ermordet oder „verschwunden gelassen“.
1992 wurde schließlich ein Friedensabkommen unterzeichnet, das den Bürgerkrieg beendete und den Weg für demokratische Reformen ebnete. In den folgenden Jahren bemühte sich das Land um politische Stabilität und wirtschaftlichen Wiederaufbau. Dennoch blieb El Salvador mit großen Herausforderungen konfrontiert, darunter Armut, Gewaltkriminalität und Migration.
Mit dem Friedensvertrag begann auch die Deportation von salvadorianischen Bandenmitgliedern aus den USA zurück nach El Salvador. Die konkurrierenden Banden bestimmten den Alltag vieler Menschen, zuerst in den größeren Städten, später auch auf dem Land. Schutzgelderpressungen, Drogenhandel, Ermordungen etc. waren an der Tagesordnung. Sozialprogramme, um Jugendliche abzuhalten in diese Banden einzutreten, wurden und werden bis heute nicht gemacht. Ansätze von kirchlichen Einrichtungen wurden unterbunden. Auch, wenn viele „Köpfe“ der Banden inhaftiert waren bzw. sind, erließen und erlassen sie weiterhin ihre Befehle.
1994 bis 2009 stellte die rechtsgerichtete ARENA-Partei den Präsidenten
2009 bis 2019 stellte die zur Partei gewandelte FMLN den Präsidenten
Seit 2019 bis heute ist Nayib Bukele von der Partei Nuevas Ideas an der Macht. Er regiert das Land autoritär.
Seit 2022 beschließt das Parlament halbjährlich den Ausnahmezustand, der bis heute immer wieder verlängert wird.
Bisher wurden 90 000 Menschen inhaftiert, darunter nicht nurBandenmitglieder, sondern auch viele Unschuldige – Menschenrechtsaktivisten, Umweltaktivisten, GewerkschafterInnen oder auch Jugendliche, die nichts mit den Banden zu tun haben, Rechtsbeistand wird oft verwehrt Angehörige dürfen keine Besuche machen. Medizinische Versorgung wird eingeschränkt. Bisher sind über 400 Menschen in der Haft gestorben, Folter ist oft an der Tagesordnung.
2026 Seit den mehr als 100 Jahren seit der Abschaffung des indigenen Gemeindelandes lebt der Großteil der Landbevölkerung von El Salvador in Armut. Es hat keinen oder nur geringen Zugang zu dem größten Reichtum des Landes – seinen fruchtbaren Böden. Alle Versuche einer grundlegenden Agrarreform sind bisher gescheitert, so dass die Landflucht weiter zunimmt und viele junge Menschen in die USA gehen. Die Landfrage ist für die Armen verbunden mit Rechtsunsicherheit, drohender Vertreibung und Überschuldung durch teure Kredite.
