Bad Wildungen: Weltladen in Not
Stand: 15.01.2023, 13:24 Uhr
Engagiert und weltoffen: Das Team des Weltladens – von links Inge Schley, Christa Kurz, Inge Heinzemann, Klaus Fackiner, Horst Willenbacher, Margret Sauer, Elisabeth Rosenberg und Karin Oschmann – suchen Mitstreiter und Unterstützer. © Cornelia Höhne
Der Bad Wildunger Weltladen funkt „SOS“: Zu wenige Ehrenamtliche, zu wenig Umsatz sowie steigende Kosten belasten Helfer und Vereinskasse.
- Der Weltladen in Bad Wildungen ist in Not: Nach Pandemie und drastischen Preiserhöhungen ging der Umsatz deutlich zurück.
- Außerdem werden dringend Helfer gesucht für das Team des Weltladens.
- Der Bad Wildunger Weltladen besteht seit 45 Jahren und ist einer der ältesten Weltläden in der Region.
Bad Wildungen – „So, wie es jetzt ist, kann der Weltladen nicht weitermachen“, ist sich das Team einig. Es setzt sich mit Herzblut für die „Fair-Trade“-Bewegung ein und hofft auf Unterstützer und mehr Kunden. Nur so könne der 45 Jahre alte Wildunger Weltladen als einer der Ältesten in der Region weiter bestehen.
Ehrenamtliche brennen für die gute Sache
Der Weltladen braucht mehr heimische Kunden, um zu überleben. Die Umsätze gingen in der Pandemie zurück, und aktuell ist das Kaufverhalten nach saftigen Preiserhöhungen in Folge des Kriegs in der Ukraine sehr zögerlich. Aber nur durch den regelmäßigen Verkauf „können wir effektiv einen Beitrag gegen Armut leisten und auch unsere Kosten decken“, erläutert Inge Schley vom Helferteam.
Die Ehrenamtlichen brennen für die gute Sache und freuen sich über Erfolge der Fair-Trade-Bewegung gegen den ungerechten Welthandel, Kinderarbeit auf Kakaoplantagen oder Hungerlöhne bei Näherinnen, sagt Klaus Fackiner. Aber das engagierte Team peilt aus Altersgründen einen Generationswechsel an. Einige sind über 80, andere stehen kurz davor. Sie suchen jüngere Mitstreiter, die Ladendienst übernehmen oder sich mit neuen Ideen einbringen.
Kunsthandwerk aus Asien, Südamerika und Afrika
Laut Christa Kurz wurde der Weltladen 1978/79 mit Initiative von Schulen und Kirche gegründet. Anfangs wurde er von Schülern betreut. Das kleine Warenangebot war in einem Zimmer in der der Hinterstraße zu finden. Später zog der Laden in um in die Brunnenstraße 9, und heute bietet er in der Brunnenstraße 22 ein Sortiment aus Tee, Kaffee, Schokolade und Gewürzen und vielen weiteren Produkten Ein Schwerpunkt sind kunsthandwerkliche Arbeiten wie Taschen, Schals und Geschenkartikel, berichtet Inge Heinzemann. Das komme vor allen bei Kurgästen gut an. Produkte aus Indien, Kenya, Mexiko, Thailand oder Bangladesch stehen zum Verkauf, viele Waren kommen auch aus Südamerika.
Hilfe zur Selbsthilfe geben ist das Ziel. Angemessene Bezahlung soll die Lebensgrundlage sichern, merkt Margret Sauer an. Das biete Menschen in ärmeren Ländern eine Lebensperspektive. Seit 45 Jahren tragen Wildunger dazu bei, dass Familien in Afrika, Südamerika und Asien aus der Armut herausfanden. Rund 50 Vereinsmitglieder sowie 50 Freunde und Förderer unterstützen dies.
Aktionen wie Theater, Vorträge, Informaitonen
Zusätzlich zu Verkauf drehten sich besondere Aktionen von Anfang an um fairen Handel, Missstände und Hintergründe. „Wir hatten früher Theaterszenen auf dem Postplatz, haben Plakate an Litfasssäulen geklebt und hatten Veranstaltungen, unter anderem zum Regenwald“, erinnert Karin Oschmann. Zuletzt ging es um Biolandwirtschaft,nachhaltige Handys und politische Diskussionen. Auch die Stadt Bad Wildungen hat durch den Laden profitiert, meint Elisabeth Rosenberg. Dessen Fortbestehen liegt dem Team am Herzen. Deshalb wird aktiv um Unterstützung geworben. „Wir wollen in die Schulen gehen“, kündigt Horst Willenbacher an und hofft auf Interesse der jungen Leute – ähnlich, wie es vor über 45 Jahren begann.
April 2023, WLZ
Weltladen sucht Mitstreiter: Armutsmigration an der Basis mindern, 26.10.23
Berichten von der Idee dahinter und von der Freude an der Arbeit im Weltladen: (von links) Christa Kurz, Angela Heyden, Susanne Wardin-Kreysing und Horst Willenbacher. © Matthias Schuldt
Der Wildunger Weltladen sucht dringend weitere ehrenamtliche Kräfte, weil aus Altersgründen mehrere langjährig Engagierte aufgehört haben.
Bad Wildungen – Ohne personellen Zuwachs steht die Zukunft der 45 Jahre alten Einrichtung in der Kurstadt 2024 auf dem Spiel. Migrationsdruck auf die deutsche und europäische Gesellschaft zu lindern – wen auch dieses Thema bewegt, dem bietet der Weltladen die Chance, vor der eigenen Haustür an einer wirksamen Lösung mitzugestalten, unterstreicht der Verein. „Unsere Grenzen abschotten: Wie soll das funktionieren, wenn man diesen Ansatz zu Ende denkt?“, fragt Vereinsmitglied Horst Willenbacher. Mauern, Zäune und in letzter Konsequenz Gewalt, um Menschen vom Land fernzuhalten; mit derlei Mitteln „würden wir nicht nur Andere aus-, sondern uns auch einsperren. Wir würden unsere Demokratie und unseren Wohlstand verlieren, der auf internationalem Handel mit unseren Produkten fußt“, ist auch Vorsitzende Angela Heyden überzeugt.
Wer wegen Armut aus seiner Heimat fliehe, das eigene Leben und oft sogar das seiner Kinder riskiere, lasse sich nicht aufhalten, denn er habe aus seiner Perspektive nichts zu verlieren. Dieses sei weltweit der größte Antrieb für Flucht, trotz Verfolgung und Krieges als Ursachen, fügt Willenbacher hinzu.
Klassische Entwicklungshilfe ist gescheitert
Darum sei die Idee der Weltläden für einen fairen Handel aktueller denn je. „Die klassische Entwicklungshilfe ist gescheitert“, meint Vereinsmitglied Susanne Wardin-Kreysing. Stattdessen brauche es Investitionen auf Augenhöhe, gerade in den ärmeren Länder Afrikas. Bislang laufe es so: Europa bezieht von dort wertvolle Rohstoffe, exportiert die daraus hergestellten Waren, behält so beinah die gesamte Wertschöpfung für sich und baut darauf seinen Wohlstand auf.
Mit Blick auf die Armutswanderung lasse sich dieses Vorgehen nicht länger durchhalten, sind die Mitglieder des Weltladenvereins überzeugt. „Ja, fair gehandelte Produkte sind etwas teurer, aber mit einem kleinen Aufpreis lässt sich viel bewirken“, meint Willenbacher. Bei einer 100 Euro teuren Jeans könne ein Euro mehr, der aber direkt beim Produzenten in einem armen Land lande, Entwicklung anstoßen. Erst dieser Euro ermögliche es dem Produzenten, selbst zu investieren, sobald er verlässlich mit diesem Euro kalkulieren kann. Ein wichtiger Schritt heraus aus der Armut
Vorreiterfunktion im Aufbau internationalen Handels auf Augenhöhe
„Als Weltläden sind wir Teil eines international verzweigten Netzes von Projekten, die exakt darauf beruhen“, erklärt Angela Heyden. Die Supermarktregale von heute belegten, dass Engagement von unten her die Dinge verändere: „1,7 Milliarden Euro Umsatz werden in Deutschland pro Jahr mit Fairtrade-Produkten erzielt. Ohne die Arbeit der Weltläden seit Jahrzehnten wäre es nicht so weit gekommen“, sagt die Vorsitzende. Der Verein setzt darauf, dass die Weltläden beim Ausbau des fairen Handels weiterhin eine Vorreiterfunktion mit ihren Erfahrungen und Kontakten übernehmen.
Die Wildunger hoffen, mit neuen Mitgliedern und wiedergewonnenem Schwung könne es gelingen, „Fairtrade-Stadt zu werden nach Korbacher Vorbild“, sagt Angela Heyden. Dort werde etwa Weltladen-Kaffee auch in anderen Geschäften verkauft.
Schwerer Rückschlag durch Umsatzverluste während der Pandemie
Ein halbes Dutzend neuer Aktiver hat der Wildunger Weltladen seit Januar gewonnen, doch zugleich verließen und beenden demnächst acht Ehrenamtliche im höheren Alter den Dienst. „Schweren Herzens, denn es hat ihnen immer viel Freude bereitet“, sagt Angela Heyden und bezieht sich damit auf die Briefe und Gespräche der Ausscheidenden.
Weltladen trotzt Finanznot – neue Vorsitzende, Februar 2024
WLZ
Multivisionsshow 23.4.24

WLZ, 16.4.24 WLZ 27.4.24
Multivisionsshow mit lobOlmo.Diese Veranstaltung war eine gelungene Kooperation mit der Stadt Bad Wildungen, die sich mit dieser Show bei engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bad Wildungen bedanken wollte.
Weltladentag 2026 zum Thema „FAIRfruchtet“

Was hinter den Früchten steckt
Bananen, Orangen, Ananas oder Mangos gehören zu den beliebtesten Früchten weltweit. Die Menschen, die sie anbauen und ernten, arbeiten jedoch oft unter ausbeuterischen Bedingungen, mit niedrigen Löhnen, befristeten Verträgen und wenig Mitsprache. Gleichzeitig sind viele Obstplantagen Großanlagen internationaler Konzerne, deren Lieferketten sich über mehrere Länder erstrecken. Kleinbäuer*innen, die auf kleinen Flächen Obst anbauen, verfügen oft nur über begrenzte Ressourcen, um ihre Betriebe zu verbessern oder nachhaltig zu wirtschaften. Die internationale Obst- und Fruchtsaftproduktion ist ein Milliardengeschäft. Bananen allein sind die meistgehandelte Frucht der Welt: jährlich werden rund 110 Millionen Tonnen produziert. Während die großen Konzerne hohe Gewinne erzielen, bleibt am Anfang der Lieferketten nur wenig bei den Produzent*innen hängen.
Ausbeutung auch in Europa
Nicht nur im globalen Süden, aus dem viele der beliebten Früchte stammen, gibt es ein Ungleichgewicht entlang der Lieferketten von Obst und Gemüse. Auch in Europa zeigen sich problematische Arbeitsbedingungen. Saisonarbeiter*innen arbeiten oft unter schwierigen Bedingungen, verdienen wenig und haben nur befristete Verträge. Häufig fehlen faire Strukturen und der Schutz von Arbeitsrechten, sodass Mitbestimmung und soziale Absicherung nur eingeschränkt möglich sind.
Die Aktion Süß statt bitter macht auf Ausbeutung in Süditalien aufmerksam und zeigt Alternativen: SOS Rosarno zahlt faire Preise und bietet sichere Arbeit für Erntehelfer*innen. Mehr auf faire-orangen.de.
Die Macht der „Big Four“
Neben den sozialen Aspekten stellt auch der Markt eine Herausforderung dar: In vielen Ländern kontrollieren wenige Großunternehmen und Supermarktketten die Preise für Obst und Gemüse. In Deutschland beispielsweise haben vier Konzerne – Aldi, Lidl/Kaufland, Edeka und Rewe – einen Marktanteil von 85 Prozent. Diese Marktmacht übt Druck auf Lieferanten aus, die gezwungen sind, ihre Preise zu senken, häufig ohne dass die Produktionskosten gedeckt sind.
Um besser zu verstehen, wie diese Marktmacht entlang der Lieferkette wirkt, haben wir Maja Volland vom Forum Fairer Handel gebeten, das Thema für uns einzuordnen. Ihre Analyse zeigt eindrücklich, wo die größten Probleme liegen und was sich ändern muss. Hier geht’s zum Text.
Einblicke aus der Praxis
Globale Lieferketten sind komplex und der Faire Handel lebt von den Menschen und Organisationen, die sie Tag für Tag gerechter gestalten. Zwei Beispiele aus der Praxis zeigen, wie vielfältig dieses Engagement aussieht und wie Partnerorganisationen weltweit daran arbeiten, faire Strukturen zu stärken.
Im Gespräch mit Rudi Pfeifer und Helge Fischer von wird deutlich, wie groß die Herausforderungen im Sektor weiterhin sind: Preisdruck, Klimawandel, steigende Zertifizierungsanforderungen und die wachsende Bedeutung von Gewerkschaften für existenzsichernde Löhne. Gleichzeitig zeigt das Interview, welche politischen Veränderungen nötig wären, um faire Lieferketten dauerhaft abzusichern. Das Interview bietet einen vertiefenden Einblick in diese Arbeit.
Das Interview mit WeltPartner lenkt den Blick auf eine weitere Facette des Fairen Handels: die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und die Wirkung langfristiger Beziehungen. Im Mittelpunkt steht dabei, wie gemeinsames Engagement Strukturen stärkt und Perspektiven schafft. Hier geht’s zum Interview.
Faire Preise machen den Unterschied
Faire Handelsmodelle setzen genau hier an. Sie zielen darauf, die Wertschöpfung entlang der Lieferketten gerechter zu verteilen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu stärken. Fair-Handels-Organisationen ermöglichen es Produzent*innen und Arbeiter*innen, verlässlicher zu planen, ihre Rechte besser durchzusetzen und langfristige Perspektiven zu entwickeln. Statt kurzfristigem Preisdruck stehen faire Preise, Transparenz und partnerschaftliche Handelsbeziehungen im Mittelpunkt.
Der Weltladentag 2026, der unter dem Motto „Fair Fruchtet“ steht, nimmt diese Themen in den Blick. Er zeigt, wie Früchte produziert werden, wer daran beteiligt ist und wie der Faire Handel entlang der Lieferketten für gerechtere Preise, faire Entlohnung und bessere Lebensbedingungen sorgt. Gleichzeitig bietet er die Gelegenheit, in den Weltläden selbst aktiv zu werden und die Bedeutung fair gehandelter Früchte erlebbar zu machen.
Wer fair gehandelte Früchte kauft, unterstützt damit den Wandel hin zu einem gerechteren Wirtschaftssystem. Jede Frucht steht damit für mehr als Genuss: Sie ist ein Symbol dafür, dass Fairer Handel funktionieren kann, dass Produktion und Handel gerechter gestaltet werden können und dass es sich lohnt, bei jedem Einkauf genau hinzuschauen.
Benefiz Flohmarkt der Soroptimistinnen in Altwildungen, 31.5.2026




