Frauen, Macht und Fairer Handel – Vortrag von Christine Feiler
Am ersten Dienstag im März drehte sich im Alsfelder Weltladen alles um Frauen, Macht und Fairen Handel. Rund zwanzig Interessierte kamen zu einem Themenabend zusammen, der einen zentralen Grundsatz des Fairen Handels in den Blick nahm: die Geschlechtergerechtigkeit.
Christine Feiler, Fairhandelsberaterin bei Weltläden in Hessen e.V., teilte ihr Wissen und diskutierte mit den Anwesenden über die Rolle von Frauen in globalen Handelsstrukturen und deren Förderung durch den Fairen Handel.
Zu Beginn machte Feiler deutlich, dass Frauen weltweit noch immer strukturell benachteiligt sind. Besonders sichtbar sei die ökonomische Ungleichheit: Für die gleiche Arbeit erhielten Frauen häufig weniger Lohn als Männer und seien deutlich seltener in Führungspositionen vertreten – sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden. In vielen Ländern des Globalen Südens haben Frauen und Mädchen zudem nur eingeschränkten Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Bildung, eigenem Einkommen, Land oder Krediten. Dadurch seien sie besonders häufig von Armut betroffen. Doch auch Gewalt gegen Frauen im Haushalt oder an konventionellen Arbeitsstellen dürfe nicht aus dem Blick geraten, so Feiler: „Es bedeutet auch, dass Frauen wesentlich weniger reproduktive Rechte haben wie Männer. Reproduktives Recht heißt die Selbstbestimmtheit über deinen Körper. Das ist eigentlich ein Menschenrecht. Und trotzdem wird es vielen Frauen nach wie vor verwehrt, selber zu entscheiden mit wem möchte ich eine Beziehung eingehen, mit wem möchte ich eine Familie gründen.“
Der Faire Handel setze hier gezielt an, erklärte Feiler. Empowerment – also die Selbstermächtigung von Frauen – sei dabei eine zentrale Strategie. Durch Frauenkooperativen, bessere Arbeitsbedingungen, Weiterbildungen und faire Bezahlung werden Frauen gestärkt: Sie können wirtschaftlich unabhängiger, politisch aktiver und sozial besser aufgestellt werden. Dazu zählen etwa Management-Fortbildungen, Computerkurse oder die Mitbestimmung innerhalb der Kooperativen.
Ein besonders anschauliches Beispiel lieferte eine Frauenkooperative in Indien: Die 1.200 Mitglieder sind gleichzeitig Eigentümerinnen und gestalten ihre Organisation selbst. Damit schaffen sie nicht nur direkte Vorteile für die Mitglieder, sondern dienen als Vorbild – nicht nur für Unternehmen und Arbeitnehmer*innen im Globalen Süden, sondern auch im Globalen Norden. Mit wachsender wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit rücke auch die Frage der Care-Arbeit stärker in den Fokus. Im Fairen Handel werde daher auch darauf geachtet, dass etwa Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung oder soziale Absicherung mitgedacht werden.
Die Förderung von Frauen stecke nicht nur in einzelnen Kooperativen, sondern in jedem fairen Produkt, betonte Feiler. So trage jeder Einkauf dazu bei, Frauen zu stärken. Die Referentin machte daran deutlich: „Der Faire Handel ist kein Wohlfühlprojekt, sondern ein festes Regelwerk“. Mit diesem Regelwerk verpflichten sich die Produzenten und Händler entlang der Lieferkette nach diesem Grundsatz zu handeln. Insgesamt gibt es zehn Grundsätze, die von der World Fair Trade Organization (WFTO) festgelegt wurden.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine angeregte Diskussion. Kritische Fragen aus dem Publikum drehten sich unter anderem darum, wie Männer auf die wachsende wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen reagieren. Feiler erklärte, dass erfolgreiche Frauenförderung häufig auch Entlastung für die Familien insgesamt bedeute und die finanzielle Stabilität verbessere.
Am Ende des Abends blieb vor allem eine Botschaft: „Gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit – Wir müssen das Positive erleben“. Die Beispiele an diesem Abend veranschaulichten dies und gaben den Zuhörer*innen Hoffnung, insbesondere in Zeiten, in denen sich Frauenrechte in manchen Ländern eher rückwärts als vorwärts entwickeln. Wissen zu teilen, darüber zu diskutieren und das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen, könne ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr globaler Gerechtigkeit sein.

Referentin, Christine Feiler

Die Verantwortlichen aus dem Team des Weltladens
