FAIR reisen – Vortrag von Autor Frank Herrmann
Frank Herrmann war am 13.11. zu Gast im Weltladen in Alsfeld. Auch in diesem Jahr war er im Sommer wieder unterwegs zu seiner vierwöchigen Fairen Bike-Tour durch Deutschland. In diesem Jahr war die 8. Tour, die er mit dem Fahrrad zurücklegte. Unterwegs referierte er meist täglich an seinen Zielorten zu Themen der Nachhaltigkeit und Fairness. In Alsfeld stellte er sein Buch „FAIRreisen – Widerspruch oder Chance?“ einem großen Interessentenkreis vor. Die Veranstaltung wurde von der Stiftung El Puente unterstützt.
Der Autor beleuchtete die Herausforderungen des Tourismus im Spannungsfeld von Klimaschutz, Gerechtigkeit und ökonomischer Entwicklung und zeigte, warum ein Umdenken beim Reisen unerlässlich ist.
Einerseits erzielen die großen Konzerne Gewinne, andererseits litten die Menschen in den Zielregionen unter dem enorm angewachsen Touristenstrom. Dazu gab Herr Herrmann einige Beispiele, u.a. führte er die „Trollzunge“, einen Felsüberhang an einem norwegischen Fjord an, der 2010 noch von ca. 800 Touristen jährlich besucht wurde und mittlerweile im Jahr 2024 77000 Besucher hatte.
Am Beispiel Costa Ricas ging der Autor auf den Wasserverbrauch durch touristische Angebote ein. Während in den Hotels, die teilweise in sehr trockenen Gebieten liegen, die Duschen stets funktionieren, ist der Wasserverbrauch für die Einheimischen rationiert. Der durchschnittliche Wasserverbrauch in der Hotelbranchen erreiche Höhen von 600 Litern pro Person und Tag. Ein großes Problem stelle der Müll dar, der in den Zielregionen durch den Tourismus anfällt. Frank zeigte Fotos von den Malediven, wo sich mittlerweile große Müllinseln im Meer gebildet haben. Der Treibhausgasausstoß den der Tourismus verursacht sei von 2009 bis 2019 mehr als doppelt so schnell gestiegen wie der Ausstoß der Weltwirtschaft. Allein der Flugverkehr verursache heute acht bis zehn Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Zu bedenken sie, dass 80 Prozent der Weltbevölkerung noch nie geflogen sind. Auch auf die enormen Auswirkungen von Kreuzfahrten auf das Weltklima ging der Tourismusexperte ausführlich ein.
Frank Herrmann zitierte den ersten globalen Klimabericht zum Tourismus: „Gegenwärtig hat kein Land, kein Reiseziel und kein Teilsektor eine nennenswerte Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen im Tourismus erreicht.“
Selbstverständlich habe jeder das Recht auf Urlaub, betonte der Referent. Wer umweltbewusst und nachhaltig seinen Urlaub planen möchte, sollte sich allerdings zunächst informieren über die Nachhaltigkeitsleistungen des Hotels und über Alternativen zum Fliegen, besonders innerhalb Europas könne man gut auf andere Fortbewegungsmittel zurückgreifen.
Besonders hilfreich wurden von der interessierte Zuhörergruppe die Hinweise des Experten für nachhaltigeres und faires Reisen bewertet. Die Non-Profit-Organisation „atmosfair“ habe es sich zum Ziel gesetzt, die bei einer Reise entstehenden Treibhausgas-Emissionen durch Zahlungen auszugleichen, die in klimafreundlicher Projekte investiert werden. Im „Forum anders reisen“ haben sich Anbieter nachhaltiger Toursismusangebote zusammengeschlossen. Von den vielen verschiedenen Gütesiegeln sei nur „Tour-Cert“ zu empfehlen.
Im Anschluss an den Vortrag ergab sich ein offener Austausch unter den Anwesenden. Frau Albers aus Mücke stellte außerdem ihre Reiseagentur vor, deren Ziel es sei den ökologischen Fußabdruck von Reisen möglichst gering zu halten.
