Wer weiß heute noch, was früher mit einem „28er- Sprieß“ auf den Baustellen gemeint war? Elmar Schömig, einer der echten „Rümperer Meurer“, erzählte beim 5. Erzählcafé zahlreiche Anekdoten von den Baustellen der Rimparer Bauunternehmen. Damals, in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg, wusste jeder „Stift“, dass mit dem 28er-Sprieß eine Bierflasche mit Schnalzverschluss gemeint war – und holte sie dem Gesellen natürlich ohne Murren.
Es ging lebhaft, interessiert und lustig zu beim Erzählcafé, zu dem der Weltladen und der Seniorenrat ins AWO-Heim eingeladen hatte. Der Lokalwechsel war gut überlegt, denn mehr als 40 Rimparer wollten diesem charakteristischen Thema der örtlichen Historie lauschen oder dazu beitragen.
Dreimal die Woche kam das Bierauto
Josef Fischer, Sprecher des Seniorenrats und selbst Maurermeister, hatte ausgiebig recherchiert und konnte viel von der Entwicklung der Maurerzunft in Rimpar berichten. Dazu präsentierte er Bilder, die die Baustellen, Firmen und Unternehmerpersönlichkeiten einst und jetzt zeigen. Gleich zu beginn trug Petra Keidel ein selbst verfasstes Gedicht über die Rimperer Maurer vor, begleitet von Sandy Kaufmann, die als Maurererin verkleidet kam. Auch Hans Winzlmaier brachte die Gäste zum Schmunzeln, mit Geschichten und dem Gedicht „Auf dem Stadtweg“ von Hans Walter. Das zeigte neben einer lustigen Begebenheit auch die harte Realität der Arbeiter, die Tag für Tag – auch am Samstag – frühs um 5 Uhr zu Fuß über den alten Stadtweg zu den Baustellen in Würzburg liefen – hin und zurück täglich 4 Stunden. Kaum vorstellbar heute! Dreimal die Woche kam das Bierauto von „Loscher“ zu den Baustellen, um die Maurer bei Laune zu halten.
Auch im Bundesgebiet und sogar im benachbarten Ausland (Holland, Luxemburg) waren sie zum Arbeiten unterwegs. In Deutschland fand man die Rimparer auf Baustellen u.a. in Frankfurt a. Main – und in Oppau, einem Stadtteil von Ludwigshafen am Rhein. Dort kamen – bei einer riesigen Explosion in einer Düngemittelfabrik 1921 mehr als 400 Menschen ums Leben, darunter sieben Rimparer Bauarbeiter. Daran erinnert das Oppauer Denkmal auf dem Friedhof.
Rimparer bauten Marianhiller Kirche
Zahlreiche der Rimparer Bauunternehmen wurden ein, zwei Jahre nach dem Ende des Krieges gegründet. Die Not war groß im völlig zerbombten Würzburg, und so gab es genügend Aufträge im Siedlungsbau, aber auch für die zerstörten Kirchen. So hat die Firma Artur Rind & Söhne die Marianhiller Kirche gebaut. Die Firma Emil Rind war jahrzehntelang damit beschäftigt, die Mauern der Würzburger Festung zu erneuern und zu erhalten.
Eine erfreuliche Entwicklung über Generationen hinweg erfuhren einige Rimparer Bauunternehmen, etwa die Firmen Göbel (heute Firmengruppe Göbel, gegründet 1945), Emil Rind , auch Alfred Baumeister & Söhne (gegründet 1926 – 2021) oder Donat Wagenbrenner, dessen Sohn Otmar, dann Enkel Dieter und jetzt Urenkel Louis die Firma übernahmen.
Besonders begehrt waren die Rimparer Maurer als spezialisierte Bruchsteinmaurer, die diese Kunst besonders gut beherrschten. Elmar Schömig, der bei Georg Göbel Maurer gelernt hat, meinte dazu: „Mer muss halt mit dem Stee lab“, damit die Bruchsteinmauer gelingt.
Aktuell mehr als 20 Maurermeister
Es gab auch neuere Firmengründungen, so von Karl Bayer (gegründet 1983), der stolz darauf ist, mehr als 15 Lehrlinge ausgebildet zu haben. Peter Göpfert gründete mit Armin Schömig seine Firma 1985. Derzeit gibt es in Rimpar noch mehr als 20 Maurermeister, das ergab die Recherche von Josef Fischer. Die Tradition der „Rümperer Meurer“ lebt also fort und wir alle können stolz sein auf diese Handwerkskunst!
Das nächste Erzählcafé findet am 18. Oktober wieder im AWO-Heim statt. Dann wird es um das Thema „Kirche“ in Rimpar gehen.
Text: Eva-Maria Schorno / Co-Vorsitzende Weltladen Rimpar e.V.
Bildunterschrift oben: Mit Elmar Schömig (im roten Pullover) bereicherte ein echter „Rümperer Meurer“ die Erzählrunde im AWO-Heim und konnte zahlreiche Anekdoten zum Besten geben.
Josef Fischer (rechts), Sprecher des Seniorenrats und selbst Maurermeister, hatte viele Informationen über die Rimparer Maurerzunft recherchiert und fand sehr interessierte Zuhörer.
Zahlreiche historische Fotos wie hier von der Firma Rind & Söhne beim Bau des Hochbehälters am Kobersberg, bereicherten den Bericht von Josef Fischer zum Thema „Rümper un sei Meurer“.
Fotos: Eva Schorno

