Nachlese zur Lesung mit Lars Nockemann, Bezirksbürgermeister Sennestadt
am 03.07.2026 im Weltladen am Reichowplatz
„In diesem Laden war ich noch nie.“ Dieses Eingeständnis machte Lars Nockemann vor seinem Vortrag.
Fairer Handel ist wichtiger denn je, um weltweit Gerechtigkeit für alle Menschen besonders im globalen Süden zu schaffen. Bielefeld ist eine Fairtrade-Großstadt und verfügt nur noch über einen Weltladen, mal abgesehen von dem Angebot im Welthaus.
Nach kurzen Einführungen durch Marianne Stratkötter hatte Bezirksbürgermeister Lars Nockemann in drei Abschnitten zum Thema des Fairen Handelns gelesen. Im ersten Text liegt der Schwerpunkt auf dem Umgang mit den Auswirkungen auf die weltweite Klimakrise, aktueller denn je, wie die Überschwemmungen im Ahrtal gezeigt haben. Extreme Hitzewellen mit neuen Rekordtemperaturen wechseln sich ab mit ebenso extremen Überschwemmungen und Zerstörungen.
In der zweiten Geschichte ging es um eine Kakaobäuerin in Ghana, als Mitglied einer Kooperative, die für den Weltladen den Kakao für die Sennestadt-Schokolade liefert. Alle Kakaobauern erhalten nicht nur einen fairen Preis für ihre Produkte, sondern auch eine Prämie, die von der Gemeinschaft wieder in Projekte investiert werden, um die Lebens-, Gesundheitsbedingungen und Bildungsbedingungen zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung und Stärkung von Frauen.
Der dritte Text ist ein Interview mit dem Gründer von Preda, einer Organisation auf den Philippinen, die sich mit Fairem Handel mit Mangos eine Perspektive für das Leben auf dem Lande schafft. Das Ganze läuft aber nicht immer friedlich mit den Regierungen ab und nicht wenige „Kämpfer“ werden bedroht und müssen auch mit ihrem Leben bezahlen.
Alle drei Geschichten machten deutlich, wie Fairer Handel in Brasilien, in Ghana und auf den Philippinen wirkt. Es waren Beispiele von einzelnen Menschen, die sich einsetzen und ihr Engagement wird durch Rahmenbedingungen, die der Faire Handel schafft unterstützt. Es sind keine Industrieprodukte mit unzulässigen und in Europa verbotenen Beimischungen und Kinderarbeit. Die Aussage „Das ist mir zu teuer“ kann man nicht gelten lassen, denn für die preiswerteren Alternativen wird genau das verwendet, was wir ablehnen müssen: Kinderarbeit, sehr geringe Bezahlung, Ausbeutung usw.
Der Autor Dirk Steffens hat einen Spiegel-Bestseller geschrieben „Hoffnungslos optimistisch“, wie wir alle zu einer besseren Welt direkt vor Ort beitragen können. Das Kapitel „Eine Ameise unter vielen“ beschreibt, wie wir hier und jetzt zu einer fairen und gerechteren Welt beitragen können. Lieber qualitativ gut und mit ruhigem Gewissen, als billiger und auf Kosten anderer, die sich nicht oder kaum wehren können.
Nun noch einmal auf den Anfang dieses Textes: „In diesem Laden bin ich noch nie gewesen“. Offensichtlich wäre es gut, noch mehr für die Sichtbarkeit des Weltladens zu tun, damit er auch in Sennestadt nicht nur ein Nischendasein führt und nur etwas für „Kenner“ bleibt.
Bielefeld, den 09.07.2026
Reinhard Drees




