{"id":725,"date":"2026-08-15T11:56:31","date_gmt":"2026-08-15T09:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/weltlaeden.de\/kuenzelsau\/?page_id=725"},"modified":"2026-08-15T12:01:55","modified_gmt":"2026-08-15T10:01:55","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/weltlaeden.de\/kuenzelsau\/geschichte\/","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\" id=\"wpb-content-root\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css_animation=&#8220;none&#8220;]<\/p>\n<h1>Der Weltladen engagiert sich seit 40 Jahren f\u00fcr den Fairen Handel in K\u00fcnzelsau<\/h1>\n<p>[\/vc_column_text][vc_column_text]Wer h\u00e4tte gedacht, dass 1983 ganz wenige junge Menschen mit dem Verkauf von so genanntem fairen Kaffee den Ansto\u00df f\u00fcr den Fairen Handel in K\u00fcnzelsau geben\u2026?<br \/>\nWer h\u00e4tte gedacht, dass sich in K\u00fcnzelsau der Faire Handel in Form eines Weltladens eta\u00adbliert\u2026?<br \/>\nWer h\u00e4tte gedacht, dass 40 Jahre lang viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitar\u00adbeiter Woche f\u00fcr Woche an der Ladentheke stehen und faire Lebensmittel sowie handwerkliche Produkte verkaufen\u2026?<\/p>\n<p>Ulla Ziegler, die einzige von Anfang an bis heute aktive Mitarbeiterin, und ihre Mitstreiterinnen sahen, dass viele Menschen auf der s\u00fcdlichen Erdhalbkugel, in der damals so genannten 3. Welt unter miserablen Bedingungen Waren anbauen und herstellen, von denen wir im Norden profitieren.<\/p>\n<p>Ganz klein fing es in der Amrichsh\u00e4user Stra\u00dfe, in der Caritas-Kreisstelle Anfang der 80er Jahre an, wo in einem kleinen B\u00fcroraum f\u00fcr die vietnamesischen Neub\u00fcrger \u201eheimische Lebensmittel\u201c verkauft wurden \u2013 und bald nicht nur f\u00fcr sie. Parallel dazu gab es dann den ersten fairen Kaffee im Angebot: Der so genannte Nicaragua-Kaffee wurde wie \u00fcberall im Lande auch in hier verkauft.<\/p>\n<p>Auf einfachen Holz-Regalen wurden die Waren angeboten, die im neuen Weltladen zu den Caritas-\u00d6ffnungszeiten gekauft werden konnten. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen fuhren privat nach Bad Cannstatt, dann sp\u00e4ter nach Leonberg und kauften bei GEPA Kaffee und Reis sowie Jutetaschen und handwerkliche Schmuckst\u00fccke ein. Durch j\u00e4hrliche Aktionen wurde auf den Verkauf von fairen Produkten in K\u00fcnzelsau aufmerksam gemacht. \u201eJute statt Plastik\u201c stand damals schon im Mittel\u00adpunkt von vielen Gruppierungen in und au\u00dferhalb der Kirche.<\/p>\n<p>Nicht nur die engagierten Frauen setzten sich f\u00fcr die Verbreitung des Gedankens des Fairen Han\u00addels und des Verkaufs fairer Lebensmittel ein \u2013 Kinder und Ehepartner wurden gebeten mitzuhelfen, so dass teilweise die ganze Familie sich einbrachte. Ein Netzwerk von Ehrenamtlichen entstand, die daf\u00fcr sorgten, dass der Weltladen in K\u00fcnzelsau immer gr\u00f6\u00dfer und vielf\u00e4ltiger werden konnte. W\u00e4h\u00adrend anfangs der t\u00e4gliche Kassensturz noch h\u00e4ndisch erfolgte, wurde mit dem wachsenden Angebot bald ein ehrenamtlich erstelltes individuelles Computerprogramm installiert. Damit waren Ein- und Verkauf sowie die j\u00e4hrliche Inventur leichter zu handhaben. Das Engagement von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Ladenbetrieb und bei \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen war geleitet von der Idee, zu bestehenden unfairen Handelsstrukturen in unserem Land eine echte und machbare Alternative aufzuzeigen:<\/p>\n<ul>\n<li>Lebensmittel anbieten, bei denen die B\u00e4uerinnen und Bauern mit einem gerechten Lohn bezahlt werden, der das \u00dcberleben der Familie sichert.<\/li>\n<li>Kontinuit\u00e4t und damit Sicherheit in den Handelsbeziehungen schaffen, um so dem b\u00e4uerlichen Leben eine langfristige Grundlage geben.<\/li>\n<li>Reduzierung und Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit, damit diese wirklich in die Schu\u00adle gehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung bei der Bildung von Kooperativen und die Gr\u00fcndung von Gewerkschaften m\u00f6glich machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Frauen und M\u00e4nner sind sich einig mit unz\u00e4hlig vielen anderen, die seit den 1970er Jahren an denselben Zielen arbeiten: die Welt kann nur \u00fcberleben, wenn es gerechter und fairer zugeht. Und sie sind sich auch sicher, dass wir noch sehr weit davon entfernt sind. Im Einsatz f\u00fcr eine gerechtere Welt werden Info- und Verkaufsst\u00e4nde in K\u00fcnzelsau organisiert, die mit Pressearbeit untermauert werden. Auch wird der Laden Mitglied im Weltladen-Dachverband, der Weltl\u00e4den und Gruppen als Lobbyverband vertritt, indem er Unterst\u00fctzung und Hilfen f\u00fcr seine Mitglieder anbietet.<\/p>\n<p>Trotz vieler Widerst\u00e4nde gaben sie nicht auf und die Produkt-Palette vergr\u00f6\u00dferte sich, zudem sprach es sich in K\u00fcnzelsau herum: Da kannst du gut und fair einkaufen und damit auch etwas f\u00fcr die Frauen und M\u00e4nner in Afrika, S\u00fcdamerika und S\u00fcdostasien tun. Jedoch war es auch h\u00e4ufig schwierig, die Menschen zu \u00fcberzeugen, dass der etwas teurere Kaffee f\u00fcr viele Produzenten das \u00dcberleben si\u00adcherte.<\/p>\n<p>2003 fand die Caritas neue R\u00e4ume in der Innenstadt und plante den Umzug. Das Weltladen-Team sah darin eine gro\u00dfe Herausforderung, aber auch eine Riesen-Chance. Die Diskussionen der ca. 7 Mitar\u00adbeiterInnen drehten sich vor allem auch darum, ob l\u00e4ngere \u00d6ffnungszeiten \u00fcberhaupt leistbar seien und welche Konsequenzen neue R\u00e4ume f\u00fcr die Ladeneinrichtung bedeuten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich war es dann so weit und der Weltladen zog zusammen mit der Caritas-Kreisstelle in das Keitel-Haus hinter der Johanneskirche. Im Erdgeschoss entstand unter der Mithilfe von viel Eigenar\u00adbeit und einigen Spenden ein neuer \u201arichtiger\u2018 Laden mit allem Drum und Dran: Es konnten neue Warengruppen ausgesucht werden, die \u00d6ffnungszeiten wurden von Montag bis Freitag ausgedehnt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten mehr als einmal die Woche Ladendienst und neue Mit\u00adarbeiterInnen mussten gewonnen werden. In Absprache mit der Caritas wurde eine Kooperation mit der Mangelstube begonnen, die in den hinter dem Laden liegenden R\u00e4umen untergekommen ist. Ein weiteres Kooperationsfeld betraf die Finanzen des Ladens: Die gesamte Verwaltung der Buchhaltung wurde wie bisher von der Caritas-Regionalstelle in Heilbronn weiter gef\u00fchrt, Ent\u00adscheidungen \u00fcber Ausgaben und Einnahmen blieben jedoch selbstveranwortlich im Ladenteam.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist der Weltladen nicht mehr wegzudenken in K\u00fcnzelsau und die Stammkundschaft vergr\u00f6\u00dferte sich. Daf\u00fcr sorgten auch regelm\u00e4\u00dfig stattfindende Aktionen zu verschiedensten Gele\u00adgenheiten: Weltladentag, Faire Woche, Jubil\u00e4en. In der Zwischenzeit ist das Warenangebot so ge\u00adwachsen, dass immer wieder die Frage von gr\u00f6\u00dferen Ladenr\u00e4umen auftauchte. Im Laufe der Jahre professionalisierte sich das Team und damit auch die Organisation des Weltladens. Die derzeit 15 ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus allen Altersgruppen bringen Berufserfahrung aus den verschie\u00addensten Bereichen mit. In monatlichen Treffen organisieren sie sich und den Laden selbst. \u201aNa\u00fcrli\u00adcherweise\u2018 sind im Team die \u201aSilverWorkers\u2018 (65+) in der Mehrzahl. Von einer Mitarbeiterin wurde ein Instagram-Account eingerichtet, um die j\u00fcngere Generation zu erreichen.<\/p>\n<p>K\u00fcnzelsau ist heute Faire Stadt. Es wurden Ladenteamer initiativ und regten eine Zusam\u00admenarbeit von Studenten und Stadtverwaltung an, die dann schlie\u00dflich in der Gr\u00fcndung einer Steuerungsgrup\u00adpe m\u00fcndete. Zusammen mit der Stadt schaffte diese die Voraussetzungen daf\u00fcr, dass die Kriterien f\u00fcr eine Fairtrade-Town erf\u00fcllt werden konnten. K\u00fcnzelsau ist bis heute Faire Stadt.<\/p>\n<p>Viele kleine Gespr\u00e4che in Schulen und Kirchengemeinden motivierten Lehrerinnen und Sch\u00fcler so\u00adwie Kirchengemeinder\u00e4tinnen und Pfarrer sich zu \u00f6ffnen f\u00fcr den Fairen Handel. Nach Gottesdiens\u00adten wurden Weltladen-Waren verkauft. Heute gibt es einige Faire Gemeinden, in denen z. B. die Weihnachtsgeschenke f\u00fcr die Mitarbeitenden im Weltladen gekauft werden. Ebenso gibt es in K\u00fcn\u00adzelsau Faire Schulen, wo Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Unterst\u00fctzung ihrer Lehrenden in der Schu\u00adle faire Waren an die Mitsch\u00fclerInnen verkaufen. Dar\u00fcber hinaus werden Unterrichtsstunden und Aktionen zum Thema durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Weltladen vergr\u00f6\u00dferte sein Angebot mehr und mehr und schlie\u00dflich wurde bei der Buchhandlung Lindenmaier &amp; Harsch eine Au\u00dfenstelle er\u00f6ffnet, wo die g\u00e4ngigsten Produkte auch den Buchhandlungs-Kunden offeriert wurden. Eine weitere \u201aFiliale\u2018 enstand in der Stadtb\u00fccherei Waldenburg, in der immer noch Lebensmittel aus dem Weltladen angeboten werden.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat auch dem K\u00fcnzelsauer Weltladen zugesetzt. Im angeordneten Lockdown wurde ein Liefer-Service angeboten, der jedoch kaum genutzt wurde. Danach mussten die \u00d6ffnungszeiten wegen des Ausfalls von Ladenpersonal reduziert werden. Wie in den anderen L\u00e4den mussten Hygiene-Bestimmungen aufgestellt sowie Tests und Masken angeschafft werden. Auch der Umsatz verringerte sich.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang war eine enge Absprache zwischen der Haus-Caritas und dem Weltla\u00adden-Team sehr hilfreich. Der direkte Weg zur Haus-Verwaltung sorgte bei den vielen allt\u00e4glichen Entscheidungen, die den Ladenbetrieb betrafen, f\u00fcr reibungslose Abl\u00e4ufe. Auch immer wieder auf\u00adtauchende Probleme konnten in Mails und Telefonaten gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Der Weltladen ist kontinuierlich in der Steuerungsgruppe der Fairen Stadt vertreten und die Zu\u00adsammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung inner- und au\u00dferhalb der Steuerungs\u00adgruppe wurde immer besser. So wurde ein Stadtkaffee und sp\u00e4ter eine Stadtschokolade kreiert, die im Weltladen und im B\u00fcrgerb\u00fcro der Stadt angeboten werden. Die Organisation des Einkaufs so\u00adwie die Abwicklung der Bestellungen lag und liegt beim Weltladen und alle st\u00e4dtischen Einrichtun\u00adgen von der Kl\u00e4ranlage bis hinauf zum Rathaus bedienen sich ausgiebig an diesem Service. Zwi\u00adschenzeitlich besorgt die Stadtverwaltung auch fairen Tee im Weltladen \u2013 nur bei Keksen und ande\u00adren Knabbereien ist noch \u201aLuft nach oben\u2018.<\/p>\n<p>Bei Aktionen der Fairen Stadt ist der Weltladen in der Regel dabei, sei dies beim Fairen Fr\u00fchst\u00fcck oder bei einem Banana-Day oder bei der Planung und Durchf\u00fchrung eines digitalen Adventskalen\u00adders w\u00e4hrend der Corona-Zeit.<\/p>\n<p>Der Weltladen arbeitet zunehmend mit der K\u00fcnzelsauer Gruppe von \u201aHohenlohe for Future\u2018 zu\u00adsammen. Ein weiteres Engagementfeld sind Kontakte zu anderen Weltl\u00e4den in der Region. So ver\u00adsucht das Team die vom DEAB (dem Dachverband Entwicklungspolitik Baden-W\u00fcrttemberg) ange\u00adbotenen Treffen der Weltl\u00e4den in Nord-W\u00fcrttemberg m\u00f6glichst h\u00e4ufig zu besuchen. Weiterhin gibt es Kon\u00adtakte zur \u201aRegional-Promotor*in f\u00fcr Eine Welt\u2018 im nord\u00f6stlichen Baden-W\u00fcrttemberg, die f\u00fcr die\u00adsen Bereich eine Vernetzungs-Plattform anbietet und viele Veranstaltungen zum Fairen Han\u00addel und Nachhaltigkeit nicht nur in der Region bewirbt. Nicht zuletzt ist der Weltladen K\u00fcnzelsau Mitglied bei INKOTA, einem Zusammenschluss von Gruppen, die f\u00fcr eine gerecht Welt eintreten.<\/p>\n<p>Unz\u00e4hlbar sind die Stunden, die in den vergangenen 40 Jahren f\u00fcr den Fairen Handel geleistet wur\u00adden:<\/p>\n<ul>\n<li>Verkauf von Produkten aus Fairem Handel,<\/li>\n<li>Beteiligung an politischen Kampagnen,<\/li>\n<li>Informations- und Bildungsarbeit zu Fragen des Fairen Handels in Schulen, Kirchengemeinden und bei Aktionen in der K\u00fcnzelsauer Innenstadt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da sind sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher, dass dieses ehrenamtliche Engagement nicht bezahlt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und doch gibt es noch viel zu tun auf dem Weg zu einer faireren Welt mit mehr Gerechtigkeit und Partnerschaft in den internationalen Handelsbeziehungen:<br \/>\n<strong>Wir suchen \u2013 vor allem j\u00fcngere \u2013 Menschen, die im Team mitarbeiten m\u00f6chten, denn wir<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>wollen uns noch mehr vernetzen mit gleich gesinnten Gruppen und Weltl\u00e4den in der Region<\/li>\n<li>wollen weiterhin Kontakte kn\u00fcpfen, Impulse geben und Hilfestellungen anbieten f\u00fcr Kirchenge\u00admeinden und Schulen im Raum K\u00fcnzelsau<\/li>\n<li>wollen weiterhin aktiv sein in der Fairen Stadt K\u00fcnzelsau<\/li>\n<li>und nicht zuletzt unseren erfolgreichen Ladenbetrieb aufrecht erhalten und ausbauen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css_animation=&#8220;none&#8220;] Der Weltladen engagiert sich seit 40 Jahren f\u00fcr den Fairen Handel in K\u00fcnzelsau [\/vc_column_text][vc_column_text]Wer h\u00e4tte gedacht, dass 1983 ganz wenige junge Menschen mit dem Verkauf von so genanntem fairen Kaffee den Ansto\u00df f\u00fcr den Fairen Handel in K\u00fcnzelsau geben\u2026? 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