Bild:Cruz Dolores Benítez bei ihrem Besuch im F(l)air-Weltladen-Lüttringhausen
Foto:© Heinz-Willi Bissels

Am Abend des, 7.10.18 hatte Cruz Dolores Benítez dann auch Gelegenheit, bei einer Veranstaltung im F(l)air-Weltladen persönliche Perspektiven ihrer Arbeit in Marcala/Honduras zu ergänzen. Sie berichtete auch über die politische Entwicklung in Honduras, das nach den letzten Wahlen im Dezember 2017 weiter von Juan Orlando Hernández regiert wird. Zur Wiederwahl war eine Verfassungsänderung nötig gewesen.

Hier berichtete sie auch, dass APROLMA mit Hilfe der GEPA eine eigene Kaffeeröstung in Honduras produziert und auch dort verpackt. Die erste Schiffsladung ist unterwegs, konnte allerdings bislang noch nicht im Hamburger Hafen entladen werden.

Zum Hintergrund
Ohne Fairen Handel noch mehr Flucht
Tobias Käufer berichtet in der Rheinischen Post vom 25.10.18 über die Fluchtursachen aus Mittelamerika (Auszug-Wiedergabe mit Genehmigung der Redaktion)

„Eine tatsächliche Bekämpfung der Fluchtursachen ist ohnehin nur mit einer gerechteren Wirtschaftspolitik möglich. Wenn Kaffeekonzerne wie Starbucks oder Nestle Millionen und Milliardengewinne einfahren, während der Kaffeepflücker in Mittelamerika und anderswo angesichts der aktuell tiefsten Abnahmeprei-se auf dem Weltmarkt seit Jahren für sechs Dollar am Tag bis zur Erschöpfung arbeiten muss, dann zieht es die Menschen dorthin, wo es zumindest die Hoffnung auf ein paar Dollar mehr gibt. Nicht umsonst warnen die kaffeeproduzierenden Länder vor einer sozialen Katastrophe.

Ein Blick auf die Preisentwicklung macht deutlich, welch dramatischen Verlust die Kaffeebauern hinneh-men müssen. Im November 2016 lag der Kaffeepreis für die Sorte ‚Arabica kolumbianisch mild‘ noch bei 177,85 Cent je Pfund, ein Jahr später war der Preis bereits auf 144,09 Cent abgestürzt und zuletzt lag der Preis im September 2018 bei 125,74 Cent. Ein Verlust von mehr als 25 Prozent, einige Sorten erreichten die tiefsten Preise seit zwölf Jahren. Steigende Ernten, aber auch Spekulationen an den Börsen sorgten für den Preisverfall. ‚Unsere Lage ist verzweifelt‘, sagte Roberto Velez, Sprecher der kolumbianischen Bauern vor ein paar Tagen und bat die Märkte um Hilfe. Sein Appell an die Großkonzerne wie Starbucks oder Nestle, zumindest die Produktionskosten zu erstatten, verhallt bislang allerdings.

Für die Kaffeepflücker in den kolumbianischen Anden oder in den honduranischen Bergen hat das drama-tische Konsequenzen, viele verlieren ihre Jobs oder müssen mit wenigen US-Dollar am Tag auskommen. Andere wechseln zum illegalen aber lukrativeren Koka-Anbau. Die Kokain-Produktion in Kolumbien ist seit zwei Jahren trotz Friedensprozess deutlich gestiegen. Der Drogenkrieg wird blutiger. Unternehmen wie Starbucks steigern durch die niedrigen Kaffeepreise dagegen ihren Profit. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte die Kaffeehaus-Kette einen Reingewinn von rund 2,9 Milliarden US-Dollar, was vor allem daran liegt, dass sie den Kaffee mit allerlei Zutaten wie Sojamilch oder Karamell teuer verkaufen. Die Aktionäre können sich über Dividenden freuen, doch in Lateinamerika kommt vom Kaffeehype nichts an und die Bauern packen die Koffer. Sie zieht es dahin, wo man in einer halben Stunde hinter dem Tresen bei Starbucks so viel verdient wie an einem ganzen Tag beim anstrengenden Pflücken in den Bergen.

Wie wäre es, wenn Europa und die USA mit enem Solidarzuschlag von fünf Cent pro verkauftem Cappuc-cino oder Caffè Latte die mexikanische Initiative von López Obrador [der mexikanische Präsident] unter-stützten. Der Latte macchiato mit Extraschuss Kaffee, Karamell und Sojamilch kostet dann eben 7,65 Euro statt 7,60. Vor lauter Forderungen nach ökologisch abbaubaren Coffee-to-Go-Bechern vergisst das mehr und mehr grüne Gewissen der Wohlstandsgesellschaft nämlich, dass der Kaffee, der drin ist, erstmal marktgerecht bezahlt werden muss.“