Am 15.09.20 konnten wir uns „via Zoom“ mit der Kaffeekooperative APROLMA in Honduras direkt austauschen. Manfred Brauers hatte die Konferenz als Teil der „Fairen Woche“ organisiert.

Corona hat in Honduras zu einem harten Lockdown geführt. Es gab für alle Ausgangssperren. Die Menschen durften nicht zur Arbeit. Alle Schulen und Betreuungseinrichtungen wurden geschlossen. Das hat die Frauen von APROLMA stark getroffen. Sie durften noch nicht einmal zu den Kaffeesträu-chern, um Unkraut zu jäten. Trotz dieser Maßnahmen ist die Verbreitung des Virus hoch. Besonders die Bevölkerung in den Städten ist betroffen, die in der Hauptstadt Tegucigalpa an erster Stelle. Es gibt starke wirtschaftliche Einbrüche.

Inzwischen darf man an einzelnen Tagen wieder nach draußen. Die Ausgangstage werden durch die letzten Ziffern der Passnummern bestimmt.

In APROLMA hält man sich am Leben, indem Gemüse, das die Frauen zum Verkauf auf dem Markt an-bauen, nun selbst verbraucht wird. Rücklagen der Kooperative wurden ausgezahlt zur Unterstützung der Mitglieder. Man hat vereinzelt Spendengelder aus Deutschland erhalten. Staatliche Hilfe ist nicht erfolgt. Ausschließlich Betriebe, deren Besitzer Parteigänger der jetzigen Regierung sind, sind geför-dert worden. Die Schulen sind bis heute geschlossen. Vereinzelt wurde digitaler Unterricht versucht. Das ist aber bei wenig Endgeräten und einem gerade auf dem Land sehr löchrigen Netz kaum gelun-gen.

Dennoch erwarten die Frauen von APROLMA weder in Qualität noch im Ertragsumfang Einbußen bei der kommenden Kaffeeernte. Sie versuchen, sich mit benachbarten Kooperativen zu verbünden, z.B. um den Transport zu sichern oder um Vereinbarungen zum Einsatz der vielen nötigen zusätzlichen Ar-beitskräfte für die Kaffeeernte zu treffen. Das ist aber nicht einfach, zumal die anderen Kooperativen von Männern geleitet werden, die den Frauen immer wieder versuchen, „die Flügel zu stutzen“. Ein strahlendes Lächeln der 3 Teilnehmerinnen an der Zoom-Konferenz dokumentierte, dass die Frauen sich nicht einschüchtern lassen.

Die Kaffeeverarbeitungsmaschine, die die Stadt Remscheid mit der Steuergruppe Fair-Trade-Town durch öffentliche Mittel des Landes NRW (Engagement Global) samt Eigenanteil von APROLMA und unserer Mitwirkung finanzieren konnte, ist fertiggestellt. Wir konnten Bilder davon sehen. Sogar der Starkstromanschluss, mit dem die Anlage betrieben werden soll, ist da. Die Maschine ist aber noch nicht in Gang, weil der Antrag zur Betriebsgenehmigung in Tegucigalpa ankam, als der Lockdown aus-gerufen wurde. Seitdem arbeitet die Genehmigungsbehörde nicht. Nun hoffen die Frauen, dass die Genehmigung noch vor der neuen Ernte eintrifft. Die Maschine ist in Honduras gekauft und muss nach Freigabe mit der Herstellerfirm eingerichtet werden. Ziel ist es, nicht nur den eigenen Kaffee damit zu verarbeiten, sondern auch anderen kleineren Gruppen zu helfen (natürlich gegen Bezahlung), deren Kaffee zu verarbeiten.